Rostock Piranhas vs: Ice Dragons Herford
1:0 Kunz (2.Spielminute), 2:0 Steinmann (14. Spielminute), 3:2 Hannon (28. Spielminute), 4:2 Fleischmann (36. Spielminute), 5:3 Klaus (41. Spielminute), 6:5 Steinmann (Penalty)
Zuschauerzahl: 1.250
Die Rostock Piranhas gewinnen auch das zweite Vorbereitungsspiel gegen Herford. Dieses Mal deutlich knapper. Am Ende vielleicht genau deshalb der bestmögliche Spielverlauf. Der Nachbericht in zehn kleinen und großen Geschichten. Mit dabei: Eine ehrenamtliche Heldenstory.
von Hannes Hilbrecht
Eishockey ist der coolste Sport der Welt. Normalerweise. Gestern kam auch unser aller Lieblingssport ins Schwitzen. 27 Grad Celsius draußen, drinnen in der »Eishalle« zwischendurch 25 Grad. Tauwetter für Menschen mit gut isoliertem Körperbau. Aber auch so mancher topfitte Fan hatte mehr Schweißperlen im Gesicht als die Rostocker Jungs auf dem Eis. Riesenprops an alle, die trotzdem Trikot trugen. Das ist Leidenschaft!
Es war ein enges, leidenschaftliches Spiel, das den Fans alles bot. 65 Minuten Leidenschaft. Dazu ein Penaltyschießen, fünf Heimtore in der regulären Spielzeit und zwei erfolgreiche Penalties eurer Raubfische. Die mehr als 1.000 Fans (Wahnsinn für ein Vorbereitungsspiel!) konnten sich über einen Mangel an Action nicht beschweren. Auch auf dem Eis wurde es hitzig, weil Connor Hannon sich rauflustig zeigte. Für den begeisterungsinteressierten Rostocker Sportfan hätte es nicht besser laufen können.
Eigentlich hätte das Spiel gar nicht so lange dauern müssen. Herford spielte mit, Rostock legte aber immer wieder vor. Und kitzelte an der Vorentscheidung. Das beste Beispiel war die 41. Minute. Die Piranhas spielten Unterzahl, führten trotzdem leger mit 4:2. Herford verlor die Scheibe, Rostock konterte und Liam Fraser schoss den Puck mit Wucht an die Latte oder den Pfosten oder an die Pfostenlatte. Was auch immer. Keine sieben Sekunden später lag das Hartgummi im Piranhas-Tor. Statt 5:2 das 4:3 und der Auftakt eines aus Piranhas-Sicht überwiegend ungünstigen Drittels. Immerhin: 15 Sekunden nach dem 3:4 visierte Walter Klaus das rote Gestänge erfolgreich an.
Fünf Gegentore bei 48 gegnerischen Schüssen – das ist absolut okay. Torhüter Sebastian Albrecht wird sich dennoch geärgert haben. Was wirklich blöd ist: Bei den Highlights sind die vier, fünf seiner krassen Saves gar nicht zu sehen, die es auch in die DEL-Hitparade geschafft hätten. Borschtel hielt mehrmals famos. Dazu wurde er im Schlussdrittel vom Schussglück der Gäste regelrecht überfahren. Alle drei Herforder Tore waren absolute Granatenschüsse. Naja, lieber gestern als am ersten Spieltag.
Keine Sorge um euren favorisierten Sittich und kahl gefiederten Paradiesvogel! Die Piranhas schossen einen anderen Vogel ab, und zwar den Kieren aus Herford. Keine seltene, buntgefiederte Art, sondern der Name des gegnerischen Goalies. Was hielt der Bengel großartig!
Die Piranhas verzweifelten besonders im ersten und zweiten Drittel sowie in der Verlängerung am Torhüter. Vogel wurde tatsächlich 56 mal abgeschossen, denn so viele Abschlüsse der Piranhas konnte er von insgesamt 61 Versuchen abwehren.
Es scheint, als wären Siegfried und Roy aus dem Tigerkäfig auferstanden. Hätten sich Eishockey-Stutzen übergezogen und sich zwei Trikots mit benachbarten Rückennummern geschnappt. Was der große Kilian (über 1,80 groß!) und der magische Ilja abliefern, macht Lust auf so manches Kabinettstückchen. Kilian schoss ein Tor in regulärer Spielzeit, bereitete zwei vor und verwandelte den siegbringenden Penalty. Fleischmann ergatterte einen Assist und ein Tor. Beim Toreschießen zeigten sich übrigens unterschiedliche motorische Qualitäten. Während sich Killer in einen Schuss zum Abfälschen »warf«, zeigte Ilja großes Handwerk bei seinem Soloabschluss. Geht das so weiter, wird als nächstes die Oberliga-Süd den Fleischsteinmann fürchten lernen. Grüße nach Füssen und an den Rießersee.
Bereits am Freitag beim 6:2 hatten die Piranhas-Verteidiger durch ein Schlagschusstor aufgetrumpft. Am Sonntagnachmittag waren sie nun gleich drei mal an Toren beteiligt. Häring jagte beim 2:0 den Puck in Richtung Tor, den Steinmann entscheidend ablenken konnte. Connor Hannon machte beim 3:2 Connor-Hannon-Dinge und Walther Klaus feuerte den Gästen humorlos einen unter das Dach. Allgemein zeigten sich die Raubfische am ersten Testwochenende sehr schusswütig. Insgesamt wurde der Puck 111 mal für 11 Tore aus dem Spielgeschehen auf den Vogel, ähm, Torhüter gebraten.
Die Piranhas waren über weite Teile die begabtere und bessere Mannschaft, aber Herford hatte neben Biss auch den Schmiss für gute Phasen. Erstaunlich: Wie nicklig und hart die Gäste spielten. Genauso auffällig: Die Piranhas ließen sich nicht weg- oder umschubsen. Mehrmals sollten harte Checks auf die Rostock Jungs gefahren werden, aber die Gegner prallten zumeist ab. Auch sonst bissen die Raubfische zurück. Hannon sprach gleich zweimal ein Donnerwetter gegenüber einem Herforder Sportsfreund aus. Walther Klaus ließ einen Gast im Mittelhart richtig hart auflaufen. Und Nils Plauschin hatte auch Lust auf Stress. Genauso soll es sein!
Zwei Spiele, zwei Siege. Eine richtig gut gefüllte Halle trotz Spätsommer. Dazu ein Test, der sogar praktische Zeit in Overtime und Penaltyschießen bot. Keine nennenswerten Verletzungen. Lenny Soccio konnte viel austesten, die Reihen wie einen Mocktail durchschütteln. Eine Offensive, die nach fünf Trainingstagen aus allen Schornsteinen rauchte. Was trübt dieses Wochenende? Dass es jetzt vorbei ist. Und dass die Jungs erst am 12. September wieder zu Hause spielen. Dann kommt es zur Rückkehr des epischen Derbys gegen Timmendorf. Seid dabei!
Im ersten Mini-Text ging es um Coolness. Jetzt im Letzten um Kühlness. Wir meinen Anthony Kühl. Das ist einer unserer ehrenamtlichen Helden.
Anthony steuert seit vergangener Saison die digitale Anzeigentafel. Seine Sommerferien hat er weitgehend für den Verein durchgebracht. Das Intro schneiden, bei der Dauerkarte helfen, Arbeit, Arbeit, Arbeit.
Gerade mal erwachsen geworden, und im Verein schon ein alter Hase. Das allein verdient Anerkennung. Aber am Samstag brach der junge Bengel seinen Familienurlaub in Kroatien ab und flog alleine – ohne die Eltern und die Geschwister-Kombi – für die Piranhas zurück nach Deutschland. Prioritäten setzen kann er. #vereinsliebe
Bonus:
Der Eisblog – so die wohl angesagteste deutsche Eishockey-Seite – hat die Saisonprognose für die Piranhas rausgehauen. Die könnt ihr euch bei Instagram angucken. So viel vorab: Wir landen im Saisoncheck auf Platz 6. Ist okay. Auch sonst gab es paar nette Worte für den Verein