Rostock Piranhas vs. Herford Ice Dragons

Spielbericht

Rostock Piranhas vs. Herford Ice Dragons

Ergebnis: 5:0 (1:0, 3:0, 1:0)

Tore: 1:0 Wolter (11. Spielminute), 2:0 Öhrvall (27.), 3:0 Fraser (33.), 4:0 Fraser (39.), 5:0 Öhrvall (52.)

Zuschauerzahl: 1.053

Schüsse: 37 zu 30

Strafen: 2 min – 8 min

Nächstes Heimspiel: Freitag, 28.11., 20:00 Uhr vs. Erfurt

Tickets: https://www.ticket-onlineshop.com/ols/rostock-piranhas

Mit den Eishockey-Göttern auf unserer Seite

Die Rostock Piranhas standen maximal unter Druck – und zeigten erneut ihre Heimstärke. Weil zwei Spieler so gut zusammenspielten wie noch nie in der Saison, während ein anderer schlicht überragte. Auch abseits des Eises gab es besondere Momente.

von Hannes Hilbrecht

Sebastian Albrecht wollte nicht. Höflich, aber bestimmt lehnte er ab.

Die Sache war die: Eigentlich sollte Ole, der Piranhas-Fotograf, Borschtel noch einmal episch einfangen. In seinem Torraum sollte der Goalie posieren. Die Headline stand auch schon fest für den Post: »Hier wache ich.«

Steht ja sonst auf Palisadenzäunen – mit dem Passfoto des dazugehörigen Rhodesian-Ridgeback-Feinis. Und gestern wachte Sebastian Albrecht herausragend über sein Tor, wie ein Löwen-, ähm, Drachentöter.

Aber Albrecht wollte dieses Bild nicht. »Das ist nicht mein Erfolg, das ist ein Teamsieg, und außerdem ist es auch nur das: ein Sieg. Wir müssen jetzt liefern. Feiern können wir später.«

Das Vorspiel:

Aber von vorn. Gestern lag das Aroma von Aufregung in der Luft. Es war ein Spiel, das man gewinnen muss. Man war Tabellenletzter, der Tabellenvorletzte gastierte. Das Wochenende zuvor – absolute Ergebniskatastrophe. Aber es gab ein Pfund, die viel beschworene Heimstärke. Und genau darin lag eine gewisse Angst. Was, wenn die auch noch abhandenkommt?

Nun gibt es im Leben zwei Arten von Menschen. Der Satz ist natürlich Blödsinn, gottseidank sind wir alle sehr verschieden, aber im Grunde kann man das – Angeberwort – ausreichend abstrahieren: Es gibt die Menschen, die füreinander einstehen, wenn es schwierig wird, die sich stützen. Und es gibt die Menschen, männlich, weiblich, divers, die sich verpissen, die sich um sich kümmern, nur das, und vielleicht auch nach unten treten.

In den vergangenen Tagen zeigte sich: Bei die Rostock Piranhas überwiegen absolut überwältigend die Menschen, die einander stützen, die sich bestärken, die füreinander da sind. Der Applaus um 19:18 kam jedenfalls sehr bei der Mannschaft an. Gestern gewann nicht nur unser starkes Team. Gestern gewannen wir alle zusammen.

Drittel 1:

Der Beginn war etwas rostig. Man sah zwei Mannschaften, die wollten, die Herz hatten, aber bei denen der Schläger nicht immer auf den Kopf hörte. Das Spiel wog sich in Wallungen. Mal hatte Herford eine gute Phase, dann wieder die Piranhas. Unmittelbar vor dem 1:0 der Piranhas hatten die Gäste ein, zwei formidable Chancen. Albrecht war aber formidabler.

Und dann? Konterten die Piranhas.

Maximilian Braun trieb den Puck nach vorn, spielte auf Stopinski. Der machte das richtig gut. Mit dem Schlittschuh bremste er den Puck, legte ihn nach hinten, von wo Jonas Wolter einschoss. Das sah einfach aus, war aber durchaus komplex. Wolter musste die Öse erst einmal finden, die sich zwischen Torhüter- und Abwehrspielerkörper versteckte.

Nach dem Führungstor wogte das Spiel weiter hin und her. Es gab keine deutlich bessere Mannschaft. Es war nicht schön, aber umkämpft, und manchmal muss man genau dadurch. Auch wichtig: Die Piranhas überstanden auch das erste eigene Powerplay ohne Gegentor.

Drittel 2:

Geschichte wiederholt sich manchmal. Das ist manchmal richtig doof, und manchmal richtig gut, und jetzt wurde in diesem Text wirklich ausreichend gemanchmalt. Aber manchmal braucht man Sebastian Albrecht in Galaform. So auch zu Beginn des zweiten Abschnitts.

Herford kam mit Wut aufs Eis, und die erste Reihe spielte gutes Eishockey. Gleich mehrfach verhinderte Borschtel den Ausgleich.

Dann hatte Jesper Öhrvall seinen Auftritt. Er schnappte sich die Scheibe nach einem Herforder Fehler und lief allein auf das Tor zu.

Im wirklich letzten Moment legte er die Scheibe noch einmal am Torwart vorbei und rauschte ins Tor. Öhrvall lag im Tor, der Goalie Urbisch lag im Tor, aber auch der Puck?

Der Schiedsrichter, der bereits eine Strafe angezeigt hatte, zeigte Tor an – und Videobeweis. Wir machen es kurz: Der Treffer zählte.

Das war der Kipppunkt des Spiels. Während beim eiskalten Öhrvall Kältemittel durch die Venen floss, rauschte bei den anderen Raubfischen neuer Mut durch die Blutgefäße. Besonders das Herz von Liam Fraser pumpte effizient.

Erst löffelte er das 3:0 aus spitzem Winkel ins Tor, dann schoss er einen Gegner so gut an die Kufe, dass der Puck ins Herforder Tor flutschte.

4:0 nach 40 Minuten. Es roch nach Erleichterung in der Halle, und dieser Satz klingt seltsamer, als er seltsam klingen soll.

  1. Drittel:

Es wurde etwas langweiliger, und genau das war ein Qualitätsmerkmal des Rostocker Spiels. Obwohl Herford noch einmal anrannte, nickliger wurde, alles reinwarf, blieben die Piranhas ruhig.

Keine Hektik, sondern Ruhe. Leon Häring tapezierte ein paar Gegner an die Bande. Louis Stromberg imitierte den noch verletzten Connor Hannon. Nico Turnwald zog Zierkürbisse im eigenen Drittel, so entspannt gärtnerte er jedenfalls die Herforder Angriffe weg. Joshua Geuß, Walther Klaus und Nils Plauschin spielten ebenfalls maximal seriös und selbstsicher.

Dieser Shutout war nicht nur Sebastian Albrecht, er war auch eine Verteidigungsleistung. Ohne den großen Anführer Connor Hannon, der mit den Eltern in der Loge mit seinen Jungs zitterte, waren die anderen Abwehrjungs richtig flügge.

Nach vorn ging ab und zu was – und einmal richtig viel. Kilian Steinmann schickte ein Westpaket von Pass auf Jesper Öhrvall, der das Paket an Jakub Urbisch vorbei ins Tor lieferte. 5:0 nach 52 Minuten. Jetzt waren auch die letzten Restzweifel abgerotzt.

Der Spieler des Spiels:

Sebastian Albrecht. 30 Saves, kein Gegentor, vor allem die unglaublichen Paraden zum besten Zeitpunkt. Die Piranhas gewannen gestern souverän das siebte von neun Heimspielen, weil Sebastian Albrecht genau in den richtigen Momenten da war. Nicht nur Gegentore, sondern auch Torwartparaden können einen Gegner mental brechen, und genau das tat Albrecht. Vor jedem der ersten drei Piranhas-Tore hatte Herford eine dicke Chance verpatzt.

Auffälligkeiten:

Jesper und Liam spielten unglaublich gut zusammen. Absolut komisch, dass sie sich nicht einmal einen Assist gaben bei vier Toren, aber das trügt. Es gab sieben, acht tolle Angriffe, bei denen Jesper und Liam die Gegner schwindlig liefen. Papa Burns räumte in der Reihe dazu fleißig auf. Wenn Jesper und Liam ihre Chemie finden, dürfte die Reaktion so manchem Gegner einheizen.

Die Reihe um Filip Stopinski, Maximilian Braun und Wolter harmonierte ebenfalls gut. Jonas Wolter machte als Mittelstürmer eines seiner besten Saisonspiele. Mit ihrem Tor zum 1:0 reichten die drei Jungs ihrem Team den Büchsenöffner zum Heimsieg.

Die Hamsterreihe um Ilja Fleischmann, Kilian Steinmann und Joey Luknowsky brachte auch viel Energie aufs Eis. Nicht zu vergessen Reed Stark und Manuel Nix, die in jedem Wechsel alles gaben. Damit ist jeder eingesetzte Spieler einmal benannt, und das ist wichtig: Denn es war ein Teamsieg.

Ganz wichtig: Nachdem die Piranhas am Wochenende eine Strafzeit nach der anderen zogen, gab es gegen Herford nur eine Unterzahl. Die Jungs wandelten Frust nicht mehr in Enttäuschung, sondern nach und nach in Spielfreude um. Das war brutal gut.

Am Rande der Bande:

Der Schrein. Man traut ja einem herzlichen und witzigen Dude wie Kilian Steinmann vieles zu. Dass er einen Bonsai-Baum hat, der Dieter heißt, zum Beispiel. Hat er natürlich nicht. Dafür hat er einen Schrein in der Kabine geschaffen, auf dem Spieler und Teamverantwortliche für sie wertvolle Dinge ablegen können. Ein schönes Feuerzeug, ein Nasenspray, die Glückssocke - was auch immer.

Auch wurden Räucherstäbchen von einem Staff-Mitglied eingesetzt – böse Geister vertreiben und so. Gestern jedenfalls waren die Götter mit den Piranhas auf einer Seite – und wenn es vor allem der hauseigene Torwartgott war.

Wenn jetzt die Siegesserie beginnt, dann liegt es nicht an Bonsai-Dieter, sondern auch am neuen Schrein der Rostock Piranhas.

Der Nachklapp:

Lenny Soccio fand nach dem Spiel noch paar sehr bemerkenswerte Worte:

»Am Montag, nach den richtig, richtig bescheidenen Ergebnissen am Wochenende bin ich trotzdem mit einem Lächeln zur Arbeit gefahren. Und die Spieler sind das auch. Wir haben in Rostock das große Glück, dass das Umfeld und damit auch die Fans unfassbar verständnisvoll sind, dass sie treu sind, dass sie einen aufbauen. Die Menschen in und um den REC haben ein Gefühl, was ein Team braucht, wenn es nicht gut läuft. Das ist nicht selbstverständlich. Deshalb ist das hier der beste Ort, um Krisen zu überstehen.«

 

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