Rostock Piranhas vs. Beach Devils Timmendorf: 11:0!
Tore: 1:0 Burns, 2:0 Voronov, 3:0 Stopinski, 4:0 Hannon, 5:0 Burns, 6:0 Öhrvall, 7:0 Fraser, 8:0 Fleischmann, 9:0 Fraser, 10:0 Stopinski, 11:0 Luknowsky
Torschüsse: 78 - 17
Powerplay Piranhas: 1 - 2
Unterzahl Piranhas 4-4
Zuschauer: 1.004
Die Rostocker Jungs beenden mit einem Schützenfest die Vorbereitung. Das Spiel gegen Timmendorf bot trotzdem einige überraschende Elemente. Ein Spieler überragte alle. Dazu ein bisschen Derby-Zunder. Und: Ein ganz wichtiger Aufruf ganz am Ende.
Text: Hannes Hilbrecht
Fotos: Peter Paul Reinmuth
Prolog:
Zunächst ein ganz dickes Kompliment an die gegnerische Mannschaft aus Timmendorf. Angesichts eines 11:0 wirkt das wie »Gratishöflichkeit«. Aber wir meinen sie ernst. 42 Minuten lang hielt das Team, das eine Liga unter den Piranhas spielt, die Partie eng. Dazu griffen die Gäste immer wieder mutig und forsch an. Man kann sagen: Die Timmendorfer Jungs, die ehemaligen Beach Boys, ließen ihr Herz auf dem Eis.
Dazu die Fans, die nicht müde wurden, ihr Team zu feiern. 0:11 hinten liegen und doch unbekümmert singen und trommeln – das ist vorbildlich. Man merkt, dass in Schleswig-Holstein das Singen und Klatschen gelehrt wird! PS: Und ja, wir Meckies sollten beim Pisa-Vergleich lieber ruhig sein.
Im Ernst: Schön, dass ihr da wart! Auf dem Eis. Aber eben auch daneben. Eishockey ist Familie.
Der Mann mit dem Extra-Boom
Der Respekt vor dem Gegner hört hier nicht auf. Denn ein Spieler verdient besondere Ehren. Adam Beukeboom, der erste Torhüter der Gäste. Was hat der nicht alles erlebt! Der Typ spielte für namentlich sehr illustre Teams wie die Flin Flon Bombers oder die Prince George Cougars. Was klingt wie ein Herrengedeck in speziellen Etablissements sind kanadische Amateurteams. In Serbien und Island hielt er auch – unter anderem für ein Team namens Skautafélag Akureyrar. Gesundheit!
Ihr merkt: Der Torwart hat mächtig Eindruck hinterlassen, wenn hier die halbe Biografie bemüht wird. Jedes Wort ist dabei absolut verdient. Denn Beukeboom hielt bis zur 40 Minute fantastisch. Wehrte 49 von 52 Schüssen ab. Leider hat sich der Goalie bei einer Heldentat im Schlussdrittel verletzt. Der gesamte Verein wünscht gute Besserung! Denn: Beukeboom war gestern der Beukeheld.
Die ersten Minuten
Wo wir bei Torhütern sind. Sebastian Albrechtboom rettete den Piranhas in den ersten Minuten des Spiels mehrfach den Allerweltesten. Ein, zwei Mal schien der Puck schon drin – aber die Rostocker Wand lenkte irgendwie ab. Nach dem Sturm und Drang in den ersten Minuten wurde das Abendprogramm für Borschtl und den später eingewechselten Timon Bätge pflegeleichter.
Der Bannbrecher
Nach dem ersten Powerbreak wurden die Piranhas scheibensicherer. Die Angriffe rollten mit weniger Störmomenten nach vorne, dann zippte Michael Burns einfach mal einen von halbrechts ins lange Eck. Perfekt über den Schoner von Beukeboom platziert. Auch sonst zeigte Michael Burns gestern, warum die Piranhas so sehr auf ihn bauen. Er ist extrem kampfstark, physisch dauerpräsent und dazu ein handwerklich sehr guter Stürmer. Burns belohnte sich gestern noch mit einem weiteren Treffer.
Der barmherzige Herr Filip Stopinski
Im Hypetrain um den Fleisteinnowskymann (die Paradereihe Fleischmann, Steinmann, Luknowsky) wurde ein Raubfisch in den vergangenen Spielen fast etwas übersehen: Filip Stopinski. Der 30-Jährige kommt immer besser rein. Gegen Riessersee voronoffte er einen rein, gegen Timmendorf legte er Thomas Voronov einen vor. Davor hatte Stopi einen gegnerischen Pass abgefangen. Normalerweise hätte Stopinski selbst abschließen können. Tore sind ja immer gut für die Moral. Aber der Deutsch-Pole bescherte lieber Reihenkumpel Thomas Voronov den Glücksmoment.
Diese Gutmütigkeit wurde belohnt: Denn Stopinski durfte selbst noch zweimal treffen. Insgesamt war die Nummer 28 gestern extrem agil, spielfreudig und bekam auch Qualitätszeit mit Burns und Öhrvall. Zum Saisonstart ein Player-to-Watch!
Und: Findet ihr nicht, dass Stopinski ein geiler Name für einen Puckstopper im Tor wäre?
Der Laser von Fraser
Das Ende Phalanx der Doppeltorschützen bildete Liam Fraser. Der kopierte beim 7:0 den satten Schuss von Burns zum zwischenzeitlichen 1:0. Auch der Laser von Fraser flog von halbrechts nach ganz links über den Schoner. Beim 9:0 würgte er den Puck rein. Nicht ästhetisch anspruchsvoll, aber gut für das Selbstvertrauen. Überragend waren dagegen die kleinen spielerischen Kanapees zwischendurch. Einmal tanze Fraser einen Gegner so leichtfüßig aus, dass der Timmendorfer wohl auch heute morgen noch verkatert Bananenboot fährt.
Macht man doch so in Timmendorf, haben wir gehört. Jeden Samstagmorgen Rollmops und Bananenboot. Unser Tipp: Einmal »Skautafélag Akureyrar« rückwärts sagen und es geht wieder.
Tore, Tore, Tore – nur im Mitteldrittel nicht
72-mal haben die Piranhas aufs Tor geschossen. 11-mal dabei eingenetzt. Das lag aber vor allem am furiosen Schlussdrittel gegen – zugegeben – müde werdende Timmendorfer. Gerade das Mitteldrittel gestaltete sich harzig. Beukeboom hielt teuflisch gut, und auch ansonsten standen die Timmendorfer permanent im Weg. Das lag einerseits am immensen Kampfgeist der Gäste, aber auch an einem unkonventionellen Spielstil.
Eine Schwierigkeit für die Raubfische?
Eishockey ist extrem taktisch geprägt, Mannschaften spielen Systeme, zeigen Muster. Das sorgt für Stabilität, macht aber auch die Defensivarbeit berechenbarer. Der Timmendorfer Abwehrriegel entpuppte sich dagegen stets als Überraschungsei! Ein Fachkundiger aus dem Rostocker Lager totterte: »Manchmal sieht das so aus, als wüssten die Timmendorfer gar nicht, wo sie stehen sollen. Und dann kommen sie doch irgendwie immer dazwischen – und wenn nur mit dem Hacken. Vogelwild – und deshalb extrem schwierig für die Stürmer.«
Der gefährlichste Fisch auf dem Eis
Man soll in diesen Textfladen von Spielberichten ja auch etwas lernen. Bildungsauftag für besonders attraktive und schlaue Piranhas-Fans, nennt sich das. Also ein Exkurs: Die Ozeane sind voller gefährlicher, heimtückischer Fische. Ein Stich eines Steinfisches kann sofort tödlich sein. Der elektrische Aal, der eigentlich kein Aal ist, sondern ein Zitterfisch, kann einen mit 600 Volt in Ohnmacht schocken. Schwertfische haben ein Schwert, und der Autor ist froh, dass es zwar Knallkrebse, aber keine Kanonenfische oder Uziquallen gibt. Was wir genau wissen: Das schuppige Piranhas im eingespielten Schwarm eine ganz und gar unbequeme Sache sind.
Wen man nicht unbedingt als Killerfisch vermutet hätte? Den Ostsee-Häring. Aber Leon Häring war gestern wieder ordentlich juckig unterwegs – und hätte am liebsten so manch alte Derby-Tradition gestern aufleben lassen. Am Ende blieben den Timmendorfer Labskausgefühle erspart.
Am Rande der Bande
Oha! Im Block A gibt es eine neue Spieltags-Loge. Unter dem Motto: »Mein geilstes Spiels« können sich Unternehmen oder Privatpersonen ein Separee für Spiele mieten. Der Bereich verspricht beste Sicht auf das Eis. Die Piranhas stürmen zwei Drittel pro Spiel auf das benachbarte Tor. Ein tolles Catering (Gestern gabs vom Ratskeller Kassler mit Sauerkraut) und einen prall gefüllten Getränkekühlschrank sind
auch im Pauschalpreis pro Person enthalten.
Okay, bevor Schlaumeiernde kommen: Der Kühlschrank an sich nicht, aber alles, was drin ist. Wer Interesse hat, kann jetzt zwei Dinge tun: Der Chefin oder dem Chef die Spieltags-Loge als Lokalität für die Firmenfeier vorschlagen. Oder sich via Mail bei den Piranhas nach den Konditionen erkundigen. Familienfeiern oder Junggesellenabschiede beim Eishockey sollen ja eine tolle Sache sein. Haben wir so gehört!
Mail gerne hierhin: info@piranhas.de
Das Resümee der Vorbereitung
6 Spiele haben die Raubfische bestritten, 5 davon gewonnen. Besonders einprägsam waren die Siege gegen Herford und das überzeugende 6:2 beim EV Füssen. Gegen Mittenwald und Timmendorf gab es ernsthafte Auftritte mit vielen Toren und weißer Weste. Wie lästig so ein Regionalligist sein kann, erlebten die Hammer Eisbären, die von den Eisadlern Dortmund beim gestrigen 6:5-Sieg hart genervt wurden.
Aus der Mannschaft gibt es nur positive Töne. Fast alle Feldspieler haben mindestens eines der 42 Tore erzielt. Die Verteidigung steht die meiste Zeit überzeugend. Louis Stromberg und Leon Häring sind noch mal einen Schritt weiter gekommen.
Turnwald, Geuß und Klaus räumen lakonisch selbstsicher auf wie der Tatortreiniger. Nils Plauschin bringt auf und abseits des Eises viel Energie. Und Connor Hannon macht immer noch Connor-Hannon-Dinge. »Die Verteidigung kann unser Prunkstück sein«, lobte auch ein Führungsspieler aus der Offensive auf der Sponsoren-Schifffahrt am Donnerstag.
Die Piranhas haben viele Tore erzielt – waren aber vor allem gut darin, den Gegnern sehr wenig Chancen zu gönnen.
Der Aufruf: Gegen Duisburg muss die Halle voll sein!
Für zwei Testspiele war der Zuschauerandrang richtig gut. Mehr als 2.200 Fans besuchten die ersten beiden Partien. Nun zum ersten Liga-Heimspiel gegen starke Füchse Duisburg brauchen wir aber noch mehr Anhängerinnen und Anhänger auf den Rängen. Los gehts am kommenden Sonntag um 19:00 Uhr! Futterzeit!
Warum das wichtig ist?
In der vergangenen Saison kam der Zuschauerboom erst nach den Weihnachtsspielen. Der Schnitt war in der Vorsaison mit 1.200 Fans wirklich super. Aber damit wir stabil wachsen können, brauchen wir noch mehr. Unser Traum: Das erste Heimspiel in einer pickepackevollen Schillingallee austragen. Dafür brauchen wir euch! In den kommenden Tagen fordern wir euch zur Challenge auf:
Bekommen wir die Schillingallee zum Auftakt ausverkauft?
Wie ihr uns dabei unterstützen könnt, zeigen wir euch ab morgen!
Immer gemeinsam #bissigfürrostock