Spielbericht: Die Frasershow im Kampf der Prädatoren

Rostock Piranhas vs. Füchse Duisburg: 6:3 (1:0, 2:1, 3:2)

Piranhas-Tore: 1:0 Fraser (19.), 2:1 Kunz* (33.), 3:1 Hannon (36.), 4:3 Fraser (42.), 5:3 Luknowsky (46.), 6:3 Häring (48.)

Schüsse: 41 / 27

Zuschauerzahl: 1.039

Die Rostocker Jungs kämpfen sich nach der unnötigen Auftaktpleite gegen Herford gegen Duisburg zurück. Der Sieg war überzeugend – auch abseits fantastischer Tore. Ein Piranhas-Spieler bezahlte den Sieg teuer. Ein anderer zeigte überraschende Skills mit den Magierhänden. Am Ende dominierten die Piranhas das Prädatoren-Duell.

Text: Hannes Hilbrecht

Fotos: PPR Media

Prolog:

Liam Fraser wollte es nicht zulassen. Als er nach Spielende gebeten wurde, das Sieger-Selfie alleine zu schießen, drehte er sich in alle Richtungen um und erkundigte sich nach seinen Reihen-Kollegen Kevin Kunz und Jonas Wolter. Beide waren bereits vom Eis gefahren, also schnappte sich Liam kurzfristig Ilja Fleischmann. Auf keinen Fall wollte der kanadische Stürmer die digitalen Lorbeeren für den Sieg alleine einheimsen. Eine Szene, die viel über den Geist des Teams aussagt.

Gestern Abend war ein guter Abend für das Rostocker Eishockey. Möge es nur ein Anfang sein!

Service für Verständlichkeit – Hockey-Vokabeln:

Saucer-Pass – der Puck wird so geflippt, dass er in flacher Höhe über das Eis fliegt.

Schneller Release – den Puck schnell vom Schläger bekommen.

Ein Prädator – (von lateinisch praedator für Beutemacher oder Räuber)

Hanson-Brothers: Episches Brüdertrio im Film Schlappschuss.

Der Spielverlauf:

  1. Drittel: Die Liam-Fraser-Show

Ab der ersten Spielsekunde machten die Piranhas ordentlich Druck. Die Rostocker wirkten viel dynamischer und entscheidungsschneller als am Freitag – nur eben genauso treffsicher, was ein Problem ist, wenn man zuletzt null Tore geschossen hatte. Die beste Chance vergab Kevin Kunz nach wenigen Minuten, als er nach einem frühen Puckgewinn allein vor dem Tor scheiterte.

Duisburg fand solide statt, war giftig, aber nicht wirklich torgefährlich. Das endete erst mit dem Powerplay, als Sebastian Albrecht mehrmals retten musste.

Die Piranhas hungerten nach dem ersten Torerfolg und bekamen drei Minuten vor dem Ende eine Überzahl zugesprochen. Das Powerplay zog die Schnur immer enger, die Füchse scheiterten mit Befreiungsversuchen. So auch, als Nico Turnwald die Scheibe kurz vor der Blauen rettete und auf Ilja Fleischmann passte. Der schnitt mit einem wunderschönen Saucer-Pass einmal die Duisburg-Abwehr in zwei, und Liam Fraser schoss mit einem schnellen Release ins weit geöffnete Tor (19. Spielminute). Das so wichtige erste Raubfisch-Tor nach mehr als 78 Minuten Oberliga-Saison.

  1. Drittel: Alles auf Rausch

Auf Augenhöhe ging es in das zweite Drittel, als die Duisburger ihre erst zweite große Drangphase direkt in ein Tor übersetzen konnten. Dieses Mal waren es die Piranhas, die den Puck nicht rausbekamen. Zolmanis schoss im x-ten Nachschuss ein (25.).

Die Piranhas reagierten in einem zusehends körperlichen und nickligen Spiel mit Offensivgeist. Im Powerplay nach einem ziemlichen Strafen-Salat legte Kilian Steinmann mit erstaunlich viel Feinmotorik auf Jesper Öhrvall, der *hart aufs Tor schoss. Kevin Kunz fälschte entscheidend ab (33.).

Und die Piranhas wollten mehr – und bekamen mehr. Connor Hannon schob im erneuten Versuch den Puck durch die Hosenträger des ansonsten starken Leon Willerscheid im Füchse-Tor (36.). Angriff um Angriff prasselte nun auf das Duisburger Tor, in dem der Goalie mehrfach stark hielt. Einmal sauste ein Schuss von der Blauen nur knapp über den Schläger eines Piranha-Stürmers, der zum Abfälschen bereitstand.

Mit einer wilden Boxeinlage gleich mehrerer Spieler ging es in die Pause. (Dazu später mehr)

  1. Drittel: Schocktherapie

Die Piranhas klar besser und 3:1 vorne. Dazu kündigte sich nach dem zweiten Strafen-Salat eine dreiminütige Überzahl an. Beste Möglichkeiten für die Vorentscheidung. Es kam ganz anders.

Duisburg schoss zwei sehenswerte Tore innerhalb von 31 Sekunden. 3:3 – aus dem Nichts (41.). Die Piranhas schienen bauchlängst im Teich zu treiben. Doch genauso postwendend kam die siegbringende Szene.

Liam Fraser kämpfte sich ins gegnerische Drittel und zog wunderschön ab – das nächste furiose Rostocker Tor. Nur 38 Sekunden nach dem Ausgleichstreffer (42.).

Das Tor war siegbringend, weil es die Piranhas sofort wieder zum Offensiv-Hockey ermutigte. Beim 5:3 schoss Joey Luknowsky eine Energieleistung ab (46.), Leon Häring krönte die nächste Rostocker Druckphase mit dem dritten tollen Schuss aus der Distanz (48.).

Die letzten Minuten verteidigten die Piranhas dann souverän runter. Schade, dass die Fraser-Show nicht von einem Hattrick gekrönt wurde. Liam war nämlich noch einmal allein aufs Tor zugelaufen – aber Willerscheid hexte noch mal.

Die Szene des Spiels:

Das Gruppenkuscheln nach 40 Minuten. Nach einem harten Check gegen Jesper Öhrvall sprangen seine Teamkollegen in die Bresche. Leon Häring rang einen Duisburger nieder, während Michael Burns gleich zwei Gegner an sich kleben hatte. Die Szene, die zeigt, wie Häring und Burns im Mittelkreis stehen, während sich die Jungs in den weißen Trikots noch vom Eis aufrafften, hatte Symbolcharakter. Die Zeiten des Umschubsenlassens sind vorbei.

Der Respekt vor dem Gegner:

Ein harter Knochen, diese Truppe aus Duisburg. Positiv gemeint. Die Gäste steckten nie auf, waren unbequem und hauten sich rein. Und dann Typen wie Martin Schymainski. Kaum größer als ein Stacheldrahtzaun, aber mit 39 Jahren noch immer ein unfassbar geiler Spieler. Eine Type. Zum Glück hat er den Piranhas gestern keine Mantaplatte eingeschenkt.

Was fiel positiv au:

Die Piranhas bewahrten den ominösen kühlen Kopf nach dem 3:3. Duisburg war spielerisch zeitweise klar unterlegen, kam aber immer wieder zurück. Nach dem 3:3 hätte das Spiel kippen können. Aber die Raubfische erlangten die Kontrolle zurück.

Die Kontis lieferten ab: Zweimal Fraser, dazu Hannon und Öhrvall – vier Tore wurden von den Führungsspielern teilweise sehr sehenswert erzielt.

Ilja Fleischmann überragte nicht nur mit tollen Pässen. Er konnte sogar eine Rangelei mit einem gegnerischen Spieler entscheiden. Die feinen Magierhände verrichteten also auch Schwerstarbeit. Ilja sagte später: »Für dieses Team kann man sich nur reinhauen. Alles für die Mannschaft.«

Die Piranhas kamen zu unfassbar vielen Torchancen – auch weil die Scheibe immer wieder schnell durch die neutrale Zone gebracht wurde. Das Tempo und die Zielstrebigkeit waren absolut auffällig. Dazu der Bärenhunger im Forecheck. So, als hätten die Raubfische lange auf eine Fütterung gewartet.

Louis Stromberg zeigte in mehreren Szenen, wie abgezockt und gut er Schlittschuh läuft. Wahnsinn, wie routiniert er viele Duisburger abkochte. Der Junge muss beim Karamalz-Kaufen noch den Ausweis vorzeigen – und spielt souverän wie ein 30-jähriger kanadischer Holzfäller, der im Nebenjob als Herzchirurg arbeitet.

Hannon, Häring und Burns sind die Hanson-Brothers der Rostock Piranhas. Sie brachten Energie auf das Eis – und eine klare Haltung. Gerade nach zwei Checks, die bei Jesper zufälligerweise auf den Kopf zielten, standen die Jungs füreinander ein. Connor verlor für das Team sogar einen Zahn.Die Piranhas spielten tolles Powerplay. Schnell, beweglich und vor allem: immer auf der Suche nach dem Direktschuss.

Auf der To-Do-Liste:

Die Piranhas kassierten erneut zwei schnelle Gegentore. Dieser Minutenschlaf machte eine ansonsten robuste Defensivleistung kaputt.

Sechs Tore bei 41 Schüssen – klingt nach einer soliden Ausbeute. Aber die Piranhas hatten nicht nur bloße Abschlüsse, sondern bestimmt 13, 14 Großchancen. Mit sechs Gegentreffern war Duisburg fast noch gut bedient.

Die Stimme zum Spiel:

Torschütze und Abrissbirne Leon Häring sagt:

»Das gehört zum Eishockey dazu, dass es mal ruppiger wird. Wir wollen als Mannschaft füreinander einstehen. Wir beschützen uns. Und dazu gehört auch, dass man sich als Team füreinander gerade macht. Dass man auch mal einsteckt. Ich selber freue mich über das Tor. Hab den Schuss perfekt getroffen. Wahrscheinlich geht er nur einmal bei zehn Versuchen so rein.«

Unnützes Wissen:

Wusstest du, dass es das »Helpers High« gibt? Das ist so ein psychologischer Effekt, der dafür sorgt, dass dein Körper Endorphine und Dopamin ausschüttet. Beides macht glücklich wie ein Piranhas-Sieg oder ein Biss in eine Schokoladentafel. Tut euch die Woche was Gutes – und helft einem anderen. Zum Beispiel: Lade einen Buddy zum nächsten Heimspiel der Raubfische ein. Oder dich selbst. Natürlich ganz »unegoistisch« empfohlen.

Das nächste Heimspiel:

Am Sonntag spielen wir das Ost-Derby gegen die brutal verstärkten Halle Saale Bulls. Alle in die Halle!

 

Spielbericht: Die Frasershow im Kampf der Prädatoren

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