Spielbericht: Nur ein Sieg in der Vorbereitung. Aber ein guter!

Die Rostock Piranhas gewinnen den Auftakt in das Eishockey-Jahr in Herford mit 6:2. Immerhin der starke Sechste aus der Vorsaison. Warum dieses Spiel nicht überzubewerten ist – und was trotzdem sehr viel Mut macht. Und warum Connor Hannon plötzlich Center spielte. 10 Gedanken und Pointen.

von Hannes Hilbrecht.

Herford - Rostock: 2:6

Tore REC: 1:0 Häring (4. Minute), 2:0 Fleischmann (11. Minute), 3:1 Steinmann (35. Minute), 4:1 Steinmann (38.), 5:2 Öhrvall (49.), 6:2 Kunz (56. Minute).

Schüsse: 51 Rostock, 10 Herford

Strafminuten: 8 Rostock, 18 Herford

  1. Leon, der Blueliner

Dieser Kerl hat einen Huf von einem Schuss. Das zeigte sich gestern nach wenigen Spielminuten, als er einmal von der blauen Linie abzog und ins lange Eck traf. Auch sonst zog Leon Häring, der Lange, immer wieder von der Blauen ab. Malträtierte Jakub Urbisch oder die Bande hinter dem Tor. Schöne Geschichte, dass Leon neun Monate nach seiner Verletzung gegen Herford gleich mal einen gegen die Ice Dragons einnetzte.

  1. Schuss um Schuss

Apropos Schusssalven. Das Spiel war aus Piranhas-Sicht ein einziges Offensivfeuerwerk. 51 Schüsse hagelten auf das gegnerische Tor. Doppel- und Dreifachchancen waren nicht selten. Jakub Urbisch, ein Ex-Piranhas, hielt teilweise bockstark.

  1. Der tasmanische Teufel

Was für ein Tier wäre Ilja Fleischmann?

Habt ihr sicher noch nie drüber nachgedacht. Wir schon. Und wir haben sogar eine Antwort gefunden: ein Tasmanischer Teufel. Das sind die Vielfraße im Tierreich. In 30 Minuten kann der acht Kilogramm schwere Raubbeutler stolze 3,2 Kilogramm Nahrung aufnehmen. 40 Prozent des Körpergewichtes. Respekt!

Würde das ein 80 Kilogramm schwerer Mann versuchen, bräuchte es dafür 32 Schlemmerschnitzel mit Babsis Fritten!

Ilja hat sich lieber auf Punkte gestürzt. 5 Scorer in etwa 18 Minuten Spielzeit – das schafft nicht mal der Sarcophilus harrisii aus Down Under. Aber ist ja auch irgendwie rund der Vergleich: Raubfisch und Raubbeutler.

  1. Das war wohl – Nix (im Positiven)

Manuel Nix konnte gestern zwar kein Tor erzielen, dafür sprang er für sein Team anderweitig in die Bresche. Nachdem der Herford-Kollege Schaaf Jesper Öhrvall einen harten Check in Kopfnähe verpasste, legte er den Übeltäter gleich mal aufs Eis. Fehlte eigentlich nur noch Cocktailsauce.

  1. Im Spiel mit dem Drachen war Feuer drin

Nicht nur in besagter Szene wurde gerangelt. Die Drachen spieen Feuer, die Piranhas bissen zurück. Es gab einige Checks und Rangeleien. Auch Kollege Plauschin hatte Bock auf einen Plausch ohne Zartbesaitung. Geile Truppe! Gestern wurde mal wieder klar: Im Eishockey gibt es keine Freundschaftsspiele.

  1. Herford – darf man gerne mögen

Klar, die Aktion von Schaaf war riskant. Auch das Geblöke auf der Herforder Bank wirkte irritierend. 2+2 war doch noch eine milde Strafe für das Vergehen. Davon abgesehen: Einfach Respekt für diesen Standort, der genauso aus schwierigen Bedingungen viel macht. Der vergangene Saison einfach geiles Hockey abgeliefert hat. Und dazu kommentiert ein super angenehmes Sprade-Team. Ahoi!

  1. Am Mittelpunkt: Connor Hannon

War es das 56-Kräuter-Gebräu oder doch die Realität? Gestern durften Piranhas-Fans ihren Augen nicht trauen. Connor Hannon stand am Bully. Der Typ kann ja alles. Tore schießen, passen, Gegner niedermähen, junge Spieler coachen, wahrscheinlich sogar einhändig spielen. Gestern stand er am Bully und gewann das auch noch. Hintergrund: Michael Burns erlitt eine kleine Blessur, wurde im letzten Drittel geschont. Dann sprang Hannon eben als Mittelstürmer ein.

  1. Altes aus der Muffbox

Ihr Fans seid toll, dürfen wir immer wieder bilanzieren. Auch gestern in Herford waren Rostocker Anhängerinnen und Anhänger anwesend. Geile Nummer. Aber manchmal versteckt sich unter einem possierlichen Piranhas-Wuschelkopf zwar ein durchweg flauschig sympathischer Geist, aber auch ein Meckeronny.

Gestern gabs trotz des Wohlwollen für die Raubfisch-Leistung wieder ein bisschen Gemuffe zum Powerplay.

Dass es da noch nicht ganz lief, kann Coach Lenny Soccio aber locker entkräften: »Wir haben noch kein einziges Mal Powerplay trainiert. Für uns hatten andere Dinge in ersten Woche Priorität. Ich finde, dafür haben es die Jungs gut gemacht.« Zur Wahrheit gehört auch: Die Piranhas schossen das 5:2 in Überzahl. Das 6:2 fiel nur Sekunden nach Ablauf einer Herforder Strafe.

  1. Apropos meckern!

Das einzige, was wohl wirklich störte, war der Treffer zum 2:4. Dieser fiel einige Sekundenbruchteile vor oder nach Ablauf der Spielzeit im Mitteldrittel. Danach sah man Lenny durchaus fuchsig über das Eis laufen. Sauer, weil die Schiris das Tor gaben? Oder weil die Rostocker Jungs schon gedanklich in der Pause waren? Der Coach ist jedenfalls zufrieden mit dem Auftreten. Sagt etwas heiser: »Wir haben viel richtig gemacht für die bisher kurze Vorbereitung. Und an den anderen Dingen werden wir arbeiten. Sehr gefallen hat mir, wie die Jungs trotz müder Beine und deutlich Führung weitergekämpft haben.«

  1. Worüber sich Fans freuen dürfen?

Ja, es war nur ein Testspiel. Aber ein sehr gutes. Besonders toll: Obwohl die Jungs mehr als zehn Trainingseinheiten in vier Tagen in den Beinen hatten, sie stundenlang im Stau standen, flogen sie phasenweise über das Eis. Wenn so müde Busbeine aussehen, wollen wir am Sonntag um 16:00 Uhr die ausgeruhten Rostocker Jungs erleben. Wir erwarten mehr als 1.000 Zuschauerinnen und Zuschauer. Gönne den Rostocker Jungs deinen Besuch!

Bonus:

Kilian Steinmann und Ilja Fleischmann. In einer Reihe. Dazu die 72 und die 73. Ein Horror für Kommentatoren. Oder Becher-Bedrucket. Auch gestern schlug Kilian Fleischmann wieder zu. Wir haben uns gefragt? Wir würde dieser Kilian Fleischmann in der Realität aussehen? Das Ergebnis seht ihr im zweiten Foto. Und ja, Kilian Fleischmann trägt ein Pullover mit einem Einhorn, das eine Bratwurst isst. Wir persönlich sehen auch etwas Kevin Kunz in diesem Profil. Es ist wohl Kilian Kevin Fleischmann.

Gemeinsam #bissigfürrostock

 

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