Spielbericht zum Heimsieg gegen die Hannover Indians

Rostock Piranhas – Hannover Indians: 3:2 n.V. (1:0, 1:1, 0:1, 1:0)

Tore: 1:0 Stromberg (19.), 2:0 Öhrvall (26.), 2:1 Lessard-Aydin (37.), 2:2 Lessard-Aydin (46.), 3:2 Burns (63.)

Schüsse: 32–35

Zuschauer: 1.255 Rostockerinnen und Rostocker

Strafminuten: 8 zu 12

Burns brennt die Hütte ab!

Die Rostock Piranhas gewinnen in einem rassigen und umkämpften Spiel mit 3:2 nach Verlängerung. Nicht gegen irgendwen, sondern gegen das bisher beste Team der Liga. Wie ist das gelungen? Mit Irrungen, Wirrungen und einem ganz wichtigen Mann. Der Spielbericht fasst es zusammen.

Text: Hannes Hilbrecht

Fotos: Ole König

Erstes Drittel:

Die Hannover Indians kamen mit mächtig Druck aufs Eis. Bereits in den ersten Minuten musste Torwart Sebastian Albrecht mehrere Schusssalven parieren. Die Piranhas fanden nur sporadisch Entlastung. Ärgerlich dabei: Oft fehlte das berühmte letzte Quäntchen Glück beim Passen – oder eben die entsprechende Portion Ungenauigkeit sorgte dafür, dass potenzielle Großchancen in der neutralen Zone versiegten.

Hannover war dagegen überlegen, schneller als die Piranhas, mit den Gedanken, mit den Beinen. Die Raubfische bekamen drei eigene Strafen, was die Dominanz der Gäste nährte. Aber: Die Hannover Indians schlüpften anscheinend für ein Piranhas-Cosplay in ein Raubfisch-Kostüm.

Viele Powerplays ohne Biss, bessere Chancen, auch mehr Schüsse – und per doofem Konter das Gegentor fressen. So brachten sich die Piranhas bereits mehrfach in der Saison um verdiente Punkte. Dieses Mal waren die Jungs von Lenny Soccio der Nutznießer.

Nach einem missglückten Wechsel der Gäste tauchte Louis Stromberg von links kommend vor dem Tor auf. Der Jungspund zielte, schaute, zielte und schoss dann wunderschön zum 1:0 ein.

Ein glückliches, aber hart erarbeitetes Resultat.

Das zweite Drittel:

Mit dem Selbstbewusstsein der Führung kamen die Piranhas besser ins Spiel. Jesper Öhrvall, der von Eltern und Großeltern angefeuert wurde, gewann die Scheibe nach einem Fehler der Indians und öhrvallte endlich mal wieder einen rein. Klar, Jesper trifft regelmäßig, aber einen klassischen Öhrvall gab es zuletzt seltener. Ansetzen, schauen, zielen, schauen und den Puck über die Schultern des Goalies jagen. Kann sich Jesper patentieren lassen.

Die Piranhas wurden immer mutiger, es war endgültig ein Spiel auf Augenhöhe. Auch daran zu erkennen, dass nun die Indians mehr Strafen zogen. Mit fatalen Folgen – für die Piranhas.

Die Raubfische taten sich schwer, ein Powerplay aufzubauen, und urplötzlich gerieten sie in einen – na ja – sozusagen 2-auf-0-Konter. Albrecht, der meisterhaft hielt, konnte den ersten Schuss noch stoppen. Beim Nachschuss kamen aber alle Torhütergliedmaßen zu spät.

Bitter: Im direkten Gegenzug verhinderte der Pfosten den Treffer zum 3:1 – und damit zur erneuten Zwei-Tore-Führung.

Das dritte Drittel:

Normalerweise freut man sich, wenn der Arm des Schiedsrichters schrankenhaft hochgeht, der eigene Torhüter sein Torraum-Habitat verlässt und die eigene Mannschaft gleich ein Powerplay spielen darf. Den Piranhas-Fans schauderte es nach der Lessard-Aydin-Erfahrung im zweiten Drittel vor diesem Moment.

Und, nun, ja: Der Magen gluckste nicht ohne Grund. Die Piranhas-Defensive stellte sich auf dem Eis etwas glatt an, bekam den Puck in Überzahl nicht raus, und Lessard-Aydin zuckerte das Tor dann in den Winkel. Den macht er auch nur einmal im Jahr genauso!

2:0 geführt und dann zwei Tore in eigener Überzahl kassiert. Das tut weh. Das kann eine Mannschaft nach einem »Wir verspielen ein 4:2 zu einem 4:6-Desaster« umso mehr verunsichern. Aber die Piranhas waren robust, körperlich und mental. So gab es einen mächtigen Open-Ice-Hit, bei dem ein Indianer Flugstunden nahm.

Auch Jesper, der mehrfach in Kopfhöhe angegangen wurde und dabei seinen goldenen Helm opferte, sprühte Adrenalin und Testosteron bis unters Hallendach aus. Die Rostocker Jungs kämpfen um jeden Zentimeter Eis.

Dann wieder ein Aluminium-Schuss der Raubfische – und kurz darauf das nächste Problem. Erneut ein Powerplay. Hartgesottene Raubfisch-Fans, die seit der Konfirmation keine Kirche von innen gesehen haben, bekreuzigten sich. Andere baten in scheinbar gebrabbeltem Hebräisch um Absolution. Die Gebete wurden erhört: Denn ein erneuter Unterzahlkonter der Indians ging knapp nicht rein. Alter Vater! Damit stolperte ein sehr schnelles Spiel in die Verlängerung.

Overtime:

Beide Teams belauerten sich, wollten keinen Fehler machen. Die erste Chance gehörte Hannover, aber Albrecht hielt. Dann waren die Piranhas dran. Hannon und Öhrvall ließen die Scheibe kreisen, folglich bekam Burns den Puck. Der machte es grandios, weil er abwartete, wie der einlaufende Öhrvall gleich zwei Verteidiger aus ihrer Position zog. Burns schaute, zielte, schoss. Der Rest war eine Jubeltraube aus schwarz-grauen Piranhas und ganz vielen Fans auf der Tribüne. Burns brannte die Bude ab. Und das war verdammt wichtig.

Der Respekt vor dem Gegner:

Die Hannover Indians stehen zurecht dort, wo sie stehen. Und auch wenn zwei Unterzahltore wehtun – sie fielen gegen die Mannschaft, die ligaweit am gefährlichsten im Shorthander-Business handelt. Dazu war Emil Lessard-Aydins Tor famose Eishockeykunst. Darf man angesichts des Sieges auch als Piranhas-Fan leise beklatschen.

Die Up-and-Downs:

Das Powerplay war für die Piranhas die heikelste Phase des Spiels. Standen fünf Hannoveraner auf dem Eis, fiel kein einziges Tor für den Gegner. Das ist ein Problem. Andererseits: Die Piranhas kassierten weder in vier Unterzahl-Situationen noch bei 5-gegen-5 ein Gegentor. Die Defensive stand – auch dank eines famosen Sebastian Albrecht – richtig gut. Besonders lobend darf das Unterzahlspiel erwähnt werden. Immer wieder wurde die Scheibe schnell und seriös herausgeschleudert.

Die herausragenden Piranhas:

Sebastian Albrecht wehrte 33 von 35 Schüssen ab. Besonders im ersten Abschnitt hielt er die Piranhas im Spiel. So konnten seine Vorderleute neuen Mut schnappen.

Louis Stromberg schoss sein zweites Tor des Wochenendes – und war offensiv immer wieder ein Initiator. Könnte bald ein Verteidiger fürs Powerplay sein.

Leon Häring nahm einen brutal schmerzhaften Schuss, blockte ihn mit dem Fuß. Danach kam Leon kaum vom Eis. Macht aber nichts: Kurz darauf pflügte Leon wieder über das Eis.

Nils Plauschin: Rückte in die Top 6 bei den Verteidigern, kämpfte verbissen, stand bei keinem Gegentor auf dem Eis.

Ilja Fleischmann: Das war so ein Spiel, wo nur kleine Momente darüber entscheiden, ob da »nur« ein Assist oder gar drei Punkte auf dem Spielberichtsbogen stehen. Kreierte immer wieder Chancen und besondere Momente.

Jesper Öhrvall: Tor geschossen, Siegtor vorbereitet, die Großmutter glücklich gemacht. Dazu in die Eisblog-Top-6 der Woche gewählt. Kann man so machen, Jesper.

Michael Burns: Das Siegtor machte er mit ganz viel Ruhe. Es war schon sein zweites an diesem Wochenende. Viel wichtiger: Burns’ Ausstrahlung auf dem Eis. Selbst robuste Indianer wie Phillip Messing wirken eher wie ein Winnetouch, wenn Burnsi seine Ansagen verteilt. Abseits des Eises ist der Recke ein ganz feiner Kerl – auf dem Eis macht er sich breit, ist ein Rabauke, die Bande zittert immer noch wegen so mancher Checks. Mental ein Unterschiedsspieler.

Das Sonderlob:

Die Saison beginnt nicht perfekt, obwohl die Piranhas fast alle Großen geschlagen haben. Was aber tadellos ist: Eure Unterstützung. 1.255 Zuschauer an einem Sonntag – das ist ganz, ganz toll. Am kommenden Dienstag wollen wir euch alle wiedersehen.

Das Fazit:

Die Rostocker Jungs bekommen zwei Shorthander und vergeben eine Handvoll Überzahlspiele. Nicht gegen irgendwen, sondern gegen den dominierenden Tabellenführer. Damit ist alles gesagt. Diese Mannschaft kann verdammt gut Eishockey spielen.

Nun wartet auf den Schwarm eine harte Woche. Drei Spiele in sechs Tagen. Zweimal auswärts, zunächst in Herne, dann in Tilburg. Und direkt danach – am kommenden Dienstag – kommt Herford. Jetzt Tickets sichern!

Gemeinsam #bissigfürrostock

 

Spielbericht zum Heimsieg gegen die Hannover Indians

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